Artist Zines – Warum manche Bilder ihren eigenen Weg gehen dürfen
Es gibt viele Möglichkeiten, Fotografien zu zeigen. Die Lesenden meines Blogs wissen, wie wichtig mir das gedruckte Bild ist – auch in der Präsentation. Dazu habe ich auf diesem Blog bereits einige Gedanken geteilt: zum Fotobuch, zu kleinen Fotorunden und über das Sammeln von Fine-Art-Prints. Dieser Artikel beschreibt eine weitere Möglichkeit, wie manche Fotografien ihren eigenen Weg finden könnten.
Meine gedruckten Fotografien entstehen auf unterschiedliche Weise. Manche wachsen über Jahre zu einem Fotobuch heran. Einzelne finden als Fine Art Prints ihren Weg in private Sammlungen. Andere bleiben zunächst Fragmente, lose Gedanken oder kleine thematische Gruppen, die ich nicht oder noch nicht in einer größeren Publikation zeigen möchte.
Für solche Arbeiten interessiert mich zunehmend ein Format, das zwischen Skizzenbuch und Fotobuch liegt: das Artist Zine.
Während meine Fotobücher meist abgeschlossene fotografische Arbeiten sind, dürfen Artist Zines bewusst fragmentarisch bleiben. Sie zeigen Zwischenstände, Nebenwege oder thematische Verdichtungen. Sie dürfen roher, offener und experimenteller sein. Sie können aktuelle Arbeiten begleiten oder Fotografien zusammenführen, die über Jahre entstanden sind und erst durch ein gemeinsames Thema miteinander in Beziehung treten – und manchmal einen anderen Weg verdienen als eine große Publikation.
Begegnung statt Vertrieb
Mein erstes Zine trägt den Titel Fun in the Factoryund erscheint im Juli 2026. Es ist auf Gmund-Papier gedruckt, dessen Tonwertwiedergabe und Haptik gut zu dem rauhen Charakter dieser Bilder passen. Denn auch das Material gehört für mich zur Wahrnehmung eines gedruckten Bildes.
Fun in the Factory ist der Auftakt einer Zine-Reihe, die ich mir vorgenommen habe. Dieses erste Zine zeigt fotografische Begegnungen in ehemaligen Industrie- und Werkstatträumen: Orte, die von Arbeit, Zeit und Verfall geprägt sind, treffen auf die freche, selbstbewusste und spielerische Energie meiner Protagonistinnen.
Die ersten Exemplare werden weder verkauft noch verschickt. Sie sind kein Produkt im üblichen Sinn, sondern werden eine Erinnerung an eine persönliche Begegnung: Nach einem Fotoshooting, einem Interview oder einem guten Gespräch über Fotografie verschenke ich ein Exemplar, wenn es für mich passt. Ich mag den Gedanken, dass ein Heft nicht einfach nur den Besitzer wechselt, sondern mit einer gemeinsamen Erfahrung verbunden bleibt. Daher trägt jedes dieser Exemplare das Datum der Begegnung und meine Signatur.
Eine zweite Geschichte
Einige verbliebene Exemplare des ersten Zines möchte ich später im Rahmen einer Charity-Aktion meinen Newsletter Abonnenten anbieten. Die Herstellungs- und Versandkosten trage ich selbst. Der gesamte Erlös dieser Aktion wird von mir an eine gemeinnützige Organisation gespendet, die ich zuvor transparent benenne.
Warum?
Mich interessiert an diesem Konzept vor allem, dass das erste Zine nicht nur einen Inhalt besitzt, sondern eine eigene Geschichte in drei Akten: Es entsteht aus einer fotografischen Idee. Es begleitet persönliche Begegnungen. Es unterstützt später einen guten Zweck.
Natürlich ist dieses Konzept ungewöhnlich und hat nur eine kleine Reichweite. Mir ist bewusst, dass dieses Prinzip nicht alle Wünsche erfüllen kann. Aber nicht jede fotografische Publikation muss den effizientesten Weg nehmen. Manche dürfen ihren eigenen Rhythmus haben. Genau das möchte ich spielerisch ausprobieren.
Gedanken dazu sind hier willkommen.