Fotografie als Kunst: Das Glossar für Sammler
Wer tiefer in die Welt der künstlerischen Fotografie eintaucht, begegnet in Galerien, bei Auktionen und auf Kunstmessen schnell einer Reihe von Fachbegriffen. Von Drucktechniken über Auflagenhöhen bis hin zu Nachweisen der Echtheit – die Sprache des Kunstmarktes kann auf Einsteiger schnell unübersichtlich wirken.
Dieses Fotokunst-Glossar bietet Sammlern und Kunstinteressierten eine praktische Orientierungshilfe für die wichtigsten Begriffe, die beim Betrachten, Kaufen und Sammeln von Fotografie immer wieder eine Rolle spielen. Es liefert nicht nur Definitionen zu Druckverfahren und Formaten, sondern auch Einblicke aus der Praxis. Denn beim Aufbau einer Fotosammlung entscheidet vor allem der eigene Blick.
Dieses Glossar wird laufend erweitert. Feedback oder Ergänzungswünsche sind über das Kontaktformular willkommen.
Archivfestigkeit
Archivfestigkeit beschreibt die langfristige Haltbarkeit eines fotografischen Prints. Silbergelatine-Prints können bei sachgerechter Verarbeitung und Lagerung viele Jahrzehnte, teilweise deutlich länger, erhalten bleiben. Hochwertige Pigment Prints gelten heute als noch langlebiger.
Entscheidend ist jedoch nicht nur das Herstellungsverfahren, sondern auch die spätere Aufbewahrung. Ein archivfester Print bleibt nur dann langfristig stabil, wenn er lichtgeschützt, trocken und mit geeigneten, säurefreien Materialien gelagert oder gerahmt wird.
Artist Proof (AP)
Ein Künstlerexemplar außerhalb der regulären Edition. Ursprünglich diente es Kontroll- oder Referenzzwecken, heute sind Artist Proofs oft ebenfalls sammelwürdig.
Auflage
Die Auflage bezeichnet die Gesamtzahl der verfügbaren Exemplare eines fotografischen Werks. Im Bereich der Fotografie wird der Begriff häufig ähnlich wie „Edition“ verwendet. Eine Auflage kann sich auf ein bestimmtes Motiv, ein bestimmtes Format oder eine bestimmte Ausführung beziehen.
C-Print
Ein Farbabzug auf klassischem Fotopapier, der foto-chemisch belichtet und entwickelt wird. C-Prints waren lange ein Standard der Farbfotografie und werden bis heute verwendet, wenngleich der Pigmentprint nach meiner Meinung inzwischen eine weit größere Bedeutung haben dürfte.
Certificate of Authenticity / Echtheitszertifikat
Ein Certificate of Authenticity dokumentiert wesentliche Angaben zu einem fotografischen Werk, etwa Titel, Jahr, Technik, Format, Auflage, Exemplarnummer und Signatur des Künstlers. Auf mich wirkt es manchmal eher wie ein Marketinginstrument als wie ein notwendiger Bestandteil des Werks. Daher sind mir persönlich die Signatur und die relevanten Werkangaben auf der Rückseite des Prints wichtiger. Sie stellen eine unmittelbare Verbindung zwischen Künstler, Werk und konkretem Exemplar her.
Contemporary Photography
Zeitgenössische Fotografie. Gemeint sind fotografische Arbeiten der Gegenwart, häufig mit künstlerischem, dokumentarischem oder konzeptuellem Ansatz.
Edition
Die festgelegte Anzahl von Exemplaren eines Bildes in einer bestimmten Größe und Ausführung. Eine Edition von 10 bedeutet beispielsweise, dass in diesem Format zehn Prints vorgesehen sind. Für andere Formate desselben Bildes kann die festgelegte Zahl von Exemplaren abweichen.
Fine Art Print
Ein hochwertig produzierter fotografischer Print auf langlebigen Materialien, der in Herstellung und Anmutung professionellen Ansprüchen genügen soll.
Giclee
Ein häufig verwendeter Marketingbegriff für hochwertige Inkjet-Drucke. Der Begriff klingt oft exklusiv, ist aber für sich genommen noch kein verlässlicher Qualitätsnachweis. Wichtiger erscheint mir, dass der Inkjet-Druck mit Pigmenttinten hergestellt wurde und damit eine längere Haltbarkeit erwarten lässt.
Limitierte Edition
Eine bewusst begrenzte Auflage, z.B. von 5, 10 oder 25 Exemplaren. Kleine Auflagen schaffen Exklusivität und werden von Sammlern geschätzt. Generell gilt: Je kleiner die Auflage, desto exklusiver ist das einzelne Exemplar. Für Sammler ist die Auflagenhöhe daher ein wichtiges Merkmal, weil sie Auskunft über die Verfügbarkeit und Seltenheit eines Prints gibt. Wird eine Fotografie dagegen vor allem aus dekorativen Gründen erworben, etwa für private Räume, eine Praxis oder ein Büro, spielt die Auflagenhöhe häufig eine weniger zentrale Rolle.
Mappe / Archivbox / Portfoliobox
Formen der Aufbewahrung und Präsentation fotografischer Arbeiten außerhalb der Wandhängung. Besonders thematisch zusammenhängende Serien lassen sich auf diese Weise gut sammeln, ordnen und bewahren. Mappen, Archivboxen oder Portfolioboxen eignen sich vor allem dann, wenn nicht genügend Wandfläche zur Verfügung steht oder wenn es sich um eine eher persönliche Sammlung handelt, die nicht dauerhaft sichtbar präsentiert werden soll. Zugleich ermöglichen sie eine konzentrierte, intime Betrachtung: Die Fotografien werden nicht beiläufig im Raum wahrgenommen, sondern bewusst einzeln in die Hand genommen und angesehen.
Motivgröße / Papiergröße
Bei Fotografien ist zu unterscheiden, ob sich eine Größenangabe auf die eigentliche Bildfläche oder auf das gesamte Papierformat bezieht. Die Motivgröße bezeichnet den bedruckten Bereich des Prints. Die Papiergröße umfasst dagegen das vollständige Blatt, also einschließlich eines möglichen weißen Randes. Ich bevorzuge Prints mit einen schmalen Weißrand. Er gibt dem Bild optisch Raum, unterstützt eine ruhige Präsentation und erleichtert zugleich die spätere Rahmung mit Passepartout.
Nachhaltigkeit
Auch bei fotografischen Prints stellt sich die Frage nach Material, Herstellungsprozess und Langlebigkeit. Aus heutiger Sicht spricht einiges dafür, dass Pigment Prints gegenüber foto-chemischen Farbabzügen oft die nachhaltigere Lösung sind. Sie lassen sich ohne klassische Nasschemie produzieren und sind bei guter Herstellung langlebiger.
Nummerierung
Kennzeichnet die Position eines Prints innerhalb einer Edition, etwa 2/5 oder 4/10.
Offene Edition
Ein Bild ohne festgelegte Auflagenbegrenzung für das betreffende Format. Der Künstler kann weitere Exemplare herstellen.
Originalprint
Ein vom Fotografen autorisierter Print, der in der vorgesehenen Form produziert wurde. In der Fotografie ist das Original nicht immer an Einmaligkeit gebunden, sondern oft an Autorisierung, Material, Format und Edition.
Passepartout
Ein Kartonrahmen zwischen Print und äußerem Rahmen. Er schützt das Bild durch Abstand zum Glas und beeinflusst die visuelle Wirkung. Je nach beabsichtigter Wirkung werden Bilder mit oder ohne Passepartout gerahmt.
Papier
Papier ist bei fotografischen Prints mehr als nur Trägermaterial. Oberfläche, Weißton, Textur und Gewicht prägen wesentlich den Charakter und die Wirkung einer Fotografie. Gerade im Unterschied zur digitalen Darstellung wird ein Bild als Print auch körperlich erfahrbar: Es besitzt Materialität, Tiefe und Präsenz. Deshalb wähle ich bei meinen Prints das Papier bewusst danach aus, welches Trägermaterial die jeweilige Bildaussage am besten unterstützt.
Photobook / Fotobuch
Für manche Fotografen ist das Fotobuch eine zentrale Präsentationsform ihrer Arbeit. Im Unterschied zu einem Ausstellungskatalog ist es häufig selbst ein eigenständiges Werk, bei dem Bildauswahl, Reihenfolge, Rhythmus, Material und Gestaltung Teil der künstlerischen Aussage sind. Auf meinem Blog finden sich verschiedene Beiträge zum Wesen und zur Gestaltung von Fotobüchern. Für manche Fotografie-Enthusiasten ist das Fotobuch auch ein Einstieg in das Sammeln fotografischer Arbeiten. Aus der Beschäftigung mit einem Buch kann der Wunsch entstehen, einzelne Prints des Künstlers zu erwerben und die eigene Sammlung zu beginnen oder zu erweitern.
Pigment Print
Ein hochwertiger Fine-Art-Druck, der mit lichtbeständigen Pigmenttinten auf speziell entwickelten Papieren hergestellt wird. Pigment Prints gehören heute zu den wichtigsten Produktionsformen in der künstlerischen Fotografie. Gründe dafür sind ihre große Materialvielfalt, ihre Langlebigkeit und die Möglichkeit, sehr unterschiedliche Bildwirkungen über Papier, Oberfläche und Tonwertwiedergabe zu erzielen.
Print
Der Print ist der eigentliche fotografische Abzug oder Druck, also das physische Bildobjekt. Dazu zählen unter anderem Pigment Prints, Silbergelatine-Prints oder C-Prints. Für mich ist das gedruckte Bild das beabsichtigte Ergebnis meiner fotografischen Arbeit.
Primärmarkt
Der erste Verkauf eines Werkes, etwa direkt über den Fotografen, über eine Galerie oder über einen Verlag.
Provenienz
Die Herkunftsgeschichte eines Werkes. Sie dokumentiert, woher ein Bild stammt und durch welche Hände es gegangen ist. Bei zeitgenössischer Fotografie spielt sie meist eine geringere Rolle als bei historischen Arbeiten, kann aber dennoch relevant sein.
Rahmung
Die Art, wie ein Print präsentiert und geschützt wird. Rahmen, Glas und Passepartout beeinflussen sowohl die Wirkung als auch die Haltbarkeit. Neben der Optik des Rahmens ist auch die Auswahl des Glases relevant. Mein Tipp: entspiegeltes Museumsglas!
Sekundärmarkt
Der Weiterverkauf eines Werkes über Sammler, Auktionshäuser, Händler oder andere Wiederverkäufer, also nicht über den ursprünglichen Erstverkauf.
Serie / Werkgruppe
Eine Gruppe zusammengehöriger Arbeiten. In der Fotografie ist häufig nicht nur das einzelne Bild wichtig, sondern auch sein Platz innerhalb einer Serie.
Signatur
Die Signatur ist die Unterschrift des Fotografen auf dem Print oder auf dessen Rückseite. Sie bestätigt die Autorschaft und ist für viele Sammler und Käufer ein wichtiges Merkmal. Zugleich zeigt sie, dass dieses konkrete Exemplar vom Künstler geprüft, freigegeben und als Teil der eigenen Arbeit anerkannt wurde.
Silbergelatine-Print
Der klassische fotochemische Schwarz-Weiß-Abzug auf Silbergelatinepapier. Das Bild entsteht durch Belichtung des lichtempfindlichen Papiers und anschließende chemische Entwicklung. Viele Sammler schätzen Silbergelatine-Prints wegen ihrer feinen Tonwerte, ihrer besonderen Tiefe, ihrer Materialität und ihrer traditionellen Bedeutung in der künstlerischen Fotografie. Die Bildwirkung kann sich dabei von einem Pigment Print unterscheiden.
Vintage Print
Ein fotografischer Abzug, der zeitnah zur Entstehung der Aufnahme hergestellt wurde. Der Begriff spielt vor allem bei historischen Fotografien und auf dem Sammlermarkt für klassische Fotografie eine Rolle.
Links zum Sammeln von Fotografie:
Fotografie sammeln – Mein Blogartikel zum Thema